Vegane Bratwurst

1. Tiere

Haltungsbedingungen

Über 80 Milliarden Tiere werden jährlich weltweit durch den Menschen geschlachtet. Dabei sind noch nicht mal Fische und andere Meerestiere eingerechnet – deren Zahl kann nur geschätzt werden und übersteigt mehrere hundert Milliarden Lebewesen. Die meisten dieser Lebewesen haben in ihrem Leben nie das Sonnenlicht gesehen und mussten tagtäglich in engen Käfigen ausharren.

Dabei hat ein Schwein in Haltungsstufe 1 “Stallhaltung” – dem gesetzlichen Mindeststandard – nur 0,75 m² Platz. Was glaubst Du, wie viel ein Schwein in der nächstbesten Haltungsstufe 2 “Stall und Platz” hat? Und wie viel Platz hat es in den besten Haltungsstufen 4 und 5 des Tierwohllabels? Teste dein Wissen in dem folgenden kurzen Quiz:

Quiz: Haltungsstufen

1 / 2

Wie viele Quadratmeter Platz hat ein Mastschwein in Haltungsstufe 2, “Stallhaltung plus”?

2 / 2

Wie viele Quadratmeter Platz hat ein Schwein in den Haltungsstufen 4 und 5 (den beiden besten Stufen)?

Dein Ergebnis ist

Die durchschnittliche Punktzahl beträgt 41%

0%

Bei anderen Tierarten sieht es natürlich nicht besser aus! Der Unterschied zwischen Haltungsstufe 1 und zwei beträgt bei einem Schwein übrigens nur etwa 1,3 DIN-A4 Blätter – das macht es besonders zynisch, diese Haltungsform als “Stall und Platz” zu benennen. Selbst in der besten Haltungsform haben Schweine nur 1,5 m² Platz

Überzüchtung

Ein weiteres großes Problem in der Tierhaltung ist die Überzüchtung der Tiere. Heutzutage werden in der Tierhaltung nicht mehr die ursprünglichen, natürlichen Tierrassen mehr verwendet, sondern auf Hochleistung gezüchtete Produktionsmaschinen. Das betrifft alle Tierarten – die einen werden auf einen möglichst hohen und schnellen Fleischansatz gezüchtet, die anderen auf mehr Eier oder Milch.

Im Jahr 1957 wog ein Huhn nach 56 Tagen 905 Gramm – 2005 sind es 4,20 kg. Auf so ein starkes Wachstum ist der Körper des Tieres nicht ausgelegt. Es kommt zu schmerzhaften Erkrankungen und Mangelerscheinungen.

Das ist nicht nur bei Fleisch der Fall, sondern auch bei Eiern oder Milch. Ein Huhn hat früher ungefähr 50 Eier pro Jahr gelegt. Heute sind es 300. Dies führt zu häufigen Knochenbrüchen durch Osteoporose und Entzündungen des Legeapparates.

Kühe würden in der Natur ungefähr 6 Liter Milch am Tag geben – so viel wie sie zur Versorgung ihres Kalbs benötigen würden. Heutzutage geben Milchkühe durchschnittlich 23 Liter Milch pro Tag. Auch hier sind unter Anderem schmerzhafte Euterentzündungen die Folge.

2. Umwelt

Klima

Die Tierindustrie verursacht laut Studien ca. 12-19% aller globalen Treibhausgas-Emissionen. Damit ist die Tierindustrie für ungefähr die gleiche Menge an Treibhausgasen verantwortlich wie der gesamte Verkehrssektor – also wie alle Autos, Flugzeuge und Schiffe zusammen. Diese hohen Emissionen lassen sich aber nicht maßgeblich durch den Kauf von regionalen Bioprodukten verringern. Das liegt einerseits daran, dass die Emissionen aus der Tierhaltung zu 2/3 aus dem intensiven Flächenverbrauch, sowie aus Emissionen durch die Verdauung von Wiederkäuern zusammensetzt. Diese Faktoren werden allerdings durch Regionalität nicht nennenswert beeinflusst.

Nur etwa ein Drittel der Emissionen aus der Tierhaltung lassen sich durch Regionalität verringern. Allerdings nur, wenn die Futtermittel – von denen eine große Menge verfüttert werden muss und die somit einen großen Ressoucenverbrauch bedeuten – ebenfalls regional erzeugt werden. Hier kommt allerdings ein weiteres Problem zutage – die Definition des Begriffes “Regionalität”. Diese ist in Deutschland nämlich nicht festgelegt. Bei Tierprodukten handelt es sich in der Regel um den Ort, an dem das Tier aufgewachsen ist und geschlachtet wurde – nicht aber die Herkunft des Futtermittels. Ein “regionales” Tier kann also trotzdem mit Soja aus dem Regenwald gefüttert worden sein. Auch Regionalitäts-Label geben hierüber keine Auskunft.

Wenn man sich anschaut, wie viele Treibhausgas-Emissionen bei der Herstellung verschiedener Lebensmittel ausgestoßen werden, sieht man, dass vegane Alternativen immer um ein Vielfaches besser abschneiden als ihre tierischen Originale.

Außerdem handelt es sich bei Veganismus um eine Sofortmaßnahme gegen den Klimawandel. Eine Verkehrs- oder Energiewende erfordern den Bau von sehr viel Infrastruktur wie Stromtrassen, Windparks oder Schienen. Die Ernährungswende hingegen wäre sehr schnell umzusetzen – sofern alle mitmachen würden. Zeit, die wir in Anbetracht des sich beschleunigenden Klimawandels dringend benötigen.

Flächenverbrauch & Biodiversität

Ein weiterer Faktor ist der riesige Flächenverbrauch der Tierhaltung. Dieser entsteht einerseits durch den großen Bedarf an Weidefläche und andererseits durch den Anbau an Futtermitteln. Um 1 kg Fleisch zu erzeugen, müssen einem Huhn 4,5 kg, einem Schwein 9 kg und einem Rind ganze 25 kg Futter gegeben werden. Dies liegt an der schlechten Kalorien- und Proteineffizienz – des prozentualen Anteils der verfütterten Kalorien, die am Ende im Tierprodukt enthalten sind. Die meisten Kalorien und Proteine, die einem Tier verfüttert werden, nutzt das Tier für den eigenen Stoffwechsel. Dies führt dazu, dass deutlich größere Mengen an Futtermittel erforderlich sind, als würden Menschen diese Pflanzen direkt konsumieren.

Die Erdoberfläche besteht zu 76% aus bewohnbarem Land. Davon werden 45% für Landwirtschaft genutzt. Von dieser landwirtschaftlichen Fläche werden ganze 80% für die Erzeugung von Tierprodukten verwendet! Jetzt könnte man sagen, dass dann bestimmt auch ein Großteil unserer Ernährung von diesen Tierprodukten gedeckt wird – aber das Gegenteil ist der Fall. Tierprodukte decken nur 17% der globalen Kalorienversorgung und 38% der globalen Proteinversorgung. Der Großteil unserer Ernährung ist also bereits vegan und für den kleinen Rest verschwenden wir mehr als dreiviertel unserer landwirtschaftlichen Fläche.

Dieser Flächenbedarf ist unter Anderem schlecht für das Klima, da wertvolle Wälder, Moore oder biodiverse Flächen in Ackerland umgewandelt wurden. Er ist aber auch schlecht für die Biodiversität – Landnutzungswandel ist nämlich der größte Treiber des Biodiversitätsverlustes. Veganismus ist also auch eine sehr effektive Maßnahme für den Erhalt der Biodiversität.

3. Welthunger

Manche Personen glauben, dass wir nicht alle Menschen nur mit einer rein veganen Ernährung satt bekommen könnten. In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall! Aktuell leiden weltweit 733 Millionen Menschen an Hunger (FAO 2023). Eigentlich wäre mehr als genug für alle da, jedoch werden weltweit 41% allen Getreides an Tiere verfüttert – fast so viel wie von Menschen direkt konsumiert wird (48%). Die Herstellung von Biokraftstoffen beansprucht mit 11% nur einen geringen Teil der weltweiten Getreideernte und ist deshalb entgegen der öffentlichen Wahrnehmung nur ein geringer Faktor.

Dass so viel Getreide als Tierfutter verwendet werden ist deshalb problematisch, weil – wie bereits weiter oben erwähnt – nur ein geringer Teil der Kalorien- und Proteinversorgung von diesen Tierprodukten gedeckt wird. Das liegt an der schlechten Kalorien- und Proteineffizienz. Dabei handelt es sich um das Verhältnis von Kalorien- oder Protein, die ich einem Tier füttern muss zu der Menge an Kalorien- oder Protein, die am Ende durch das Tierprodukt der Ernährung wieder zugeführt werden können. Eine Kalorieneffizienz von 15% bedeutet also, dass ich einem Tier 100 kcal füttern muss, um 15 kcal in Form von Fleisch, Milch oder Eiern herauszubekommen.

Tierprodukte sind als von vornherein eine sehr ineffiziente Ernährungsweise.

4. Veganismus

Wieso vegan?

Die Tierhaltung bedeutet einerseits großes Leid für unzählige Tiere und ist andererseits für einen hohen CO2-Ausstoß, Flächenverschwendung, Biodiversitätsverlust und Wasserverbrauch verantwortlich. Die vegane Lebensweise leistet einen Beitrag zur Bekämpfung all dieser Probleme – und das Gute ist: Es ist viel einfacher als Du denkst!

Reicht nicht auch vegetarisch?

Viele Menschen denken, dass Milch ja nicht so schlimm sein kann. In Wirklichkeit handelt es sich um eine sehr grausame Industrie. Um Milch geben zu können, muss eine Kuh ein Kalb gebären. Sie wird also einmal im Jahr künstlich befruchtet das Kalb wird ihr kurz nach der Geburt weg genommen. Das bedeutet einen großen Trennungsschmerz, sowohl bei der Mutter als auch bei ihrem Kalb. Diesen Trennungsscherz muss sie bis zu fünf mal in ihrem Leben durchmachen, bis ihre Milchleistung nachlässt und ihr Leben im Schlachthof endet. In Deutschland stammen 37% des Rindfleischs aus der Milchindustrie. Die Fleisch- und Milchindustrie sind also eng miteinander verzahnt.

Auch bezüglich der Umwelt sieht es bei der Milchproduktion nicht gut aus. Es sind ebenfalls große Mengen an Futtermittel notwendig, die ökologische Folgen mit sich ziehen. Kühe stoßen außerdem bei ihrer Verdauung Methan aus, was einen 30-mal größeren Treibhauseffekt aufweist als CO2 und einen großen Faktor beim Klimawandel darstellt.

Mit einer vegetarischen Ernährung löst man also nur einen Teil des Problems. Aber die gute Nachricht ist: Das Ersetzen von Milchprodukten ist in den meisten Fällen noch einfacher als das von Fleisch. Ein veganer Käsekuchen, veganes Tiramisu oder vegane Sahnetorte sind kein Problem!

Ist vegan nicht ungesund?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung schreibt in ihrer 2024 veröffentlichten Position zu veganer Ernährung, dass Veganismus eine gesundheitsfördernde Ernährung darstellt, sofern bestimmte Aspekte berücksichtigt werden. Hierzu gehört die Einnahme eines Vitamin B12-Präparates. Jetzt denkst Du dir bestimmt, dass eine Ernährung ja nicht gesund sein kann, wenn sie auf die Einnahme zusätzlicher Nährstoffe angewiesen ist. Allerdings gibt es in der omnivoren (allesessenden) Ernährung ebenfalls kritische Nährstoffe, wie z.B. Folsäure – über 80% der deutschen Bevölkerung erreichen nicht die täglich empfohlene Aufnahme an Folsäure (NVS II, 2008).

Die Lösung? Bestimmt hast Du schon mal Kochsalz gesehen, welches mit Folsäure versetzt ist. Das wird gemacht, um diese Folsäure-Unterversorgung in unserer Gesellschaft zu beheben. Personen, die sich vegan ernähren haben so gut wie nie eine Unterversorgung an Folsäure. Die Einnahme von mit Folsäure angereicherten Lebensmitteln ist also nicht anderes als die Einnahme eines B12-Präparates, wird jedoch in unserer Gesellschaft nicht als kritisch wahrgenommen.

Generell lassen sich alle Nährstoffe wie Protein, Eisen, Calcium usw. gut durch pflanzliche Quellen decken – für weitere Infos empfehlen wir das vegane 1×1.

How to go vegan

Aller Anfang ist schwer

Vegane Rezepte

Mehr als nur Salat! Die vegane Küche ist deutlich vielfältiger und abwechslungsreicher als Du denkst. Du wirst schnell merken, dass Dir nach einer kurzen Eingewöhnung nichts mehr fehlen wird. Sich mal von ein paar veganen Rezepten inspirieren zu lassen, ist sehr lohnenswert. Für den Einstieg empfehlen wir die folgenden Rezeptseiten:

30 Tage Challenge

Haben dich unsere Informationen überzeugt? Wir können es Dir nur an’s Herz legen, es wenigstens mal auszuprobieren – es ist tatsächlich deutlich einfacher als Du denkst! Aller Anfang ist schwer, aber sobald Du einmal im Thema drinnen bist und weißt welche veganen Produkte Dir am besten schmecken und wie Du am besten vegan kochen kannst, wirst Du gar keinen Unterschied mehr merken – aber für die Tiere und für die Umwelt wird es einen gewaltigen Unterschied machen. Jeder Mensch isst in seinem Leben über 1000 Tiere, denen Du ein Leben in der Massentierhaltung ersparen kannst. Es zumindest einmal auszuprobieren schadet nicht – was hast Du zu verlieren?

Setze Dir doch einmal die Challenge, 30 Tage lang vegan zu leben. Im Anschluss kannst Du Dir immer noch überlegen, ob Du damit weitermachen möchtest, ob Du deine Ernährung nur teilweise umstellst, oder ob Du so weiter machen möchtest wie vor der Challenge.

Um Dich bei dieser Challenge zu unterstützen, empfehlen wir Dir das Programm Veganstart. Wenn Du dich mit Deiner e-Mail Adresse anmeldest, erhältst Du 30 Tage lang eine Mail mit weiteren Informationen zu Veganismus sowie einem veganen Rezept.

Wir danken Dir für Deine Zeit und wünschen Dir viel Erfolg! Wenn Du noch weitere Fragen hast, kannst Du dich gerne jederzeit unter marburg@aktierismus.de bei uns melden 🙂

5. Quellen

FAO (2023): The State of Food Security and Nutrition in the World 2023
West et al. (2014): Science 345, 325-328.